St. Laurentius Kirche - das Geschichtsbuch der Stadt
Bild: St. Laurentius Kirche An der St.-Laurentius-Kirche ist seit über 700 Jahren immer wieder
gebaut worden. Insgesamt vier Bauabschnitte im romanischen, gotischen,
barocken und neubarocken Stil lassen sich unterscheiden. Die Stile der
jeweiligen Zeit wurden dabei immer in das alte Bauwerk harmonisch
eingebracht. Zu Recht kann man die St. Laurentiuskirche daher als
Geschichtsbuch der Stadt bezeichnen.
Echter Kirche
Mit Sicherheit belegt werden kann das Baujahr der "Echter-Kirche" durch
eine aus dem Jahr 1613 stammende Gedenktafel, die heute im Innern der
ehemaligen Pfarrkirche St. Laurentius angebracht ist. Sie erinnert
sowohl an die Wiedereinführung der katholischen Konfession als auch an
den Neubau der Kirche in diesem Jahr. Fürstbischof Julius Echter von
Mespelbrunn hatte im damaligen Heidenfeld nach dem Rückfall an das
Hochstift Würzburg anstelle der alten romanischen Kirche eine neue
Kirche, die Echter-Kirche, als sichtbares Zeichen der Gegenreformation
errichten lassen. Zuvor war Heidenfeld jahrhundertelang unter der
Herrschaft der Grafen von Wertheim; diese hatten in den 1520er Jahren in
Heidenfeld die Lehre Martin Luthers verkünden lassen.
Das Langhaus der alten romanischen Kirche wurde abgebrochen. Nur der
Chorraum, das Untergeschoss des Turmes blieb erhalten. Die neue einschiffige Kirche wurde im sogenannten
Echter-Stil errichtet, einer Mischform von Spätgotik und Renaissance,
mit dem von Ferne sichtbaren Wahrzeichen aller Echter-Kirchen, dem
spitzen Turm. Dieser ist jedoch im Jahr 1805 nach einem Blitzschlag abgebrannt
und durch den heutigen zwiebelförmigen Turm ersetzt worden.
Fresken im Chorraum der romanischen Kirche
Von dem Vorgängerbau der Echter-Kirche ist nur wenig
bekannt. Wahrscheinlich handelte es sich um eine im
überschwemmungsfreien Bereich gelegene kleine Wehrkirche, die in
Krisenzeiten Zuflucht bieten konnte. Neben dem Chorraum ist noch ein romanisches Doppelfenster an der Nordseite des
Turmes erhalten. Anlässlich der Renovierung der St.-Laurentius-Kirche
1982/83 wurden unter dem Innenputz der Sakristei mittelalterliche
Fresken gefunden. Diese wurden 2003 teilweise freigelegt. Zum
Vorschein kamen eine Abbildung von Christus als Pankrator, als Herrscher
über die ganze Welt und den gesamten Kosmos, sowie eine Abbildung der
vier Evangelisten, dargestellt als Tier-Symbole. Es wird vermutet, dass
die Wandmalereien aus dem frühen 16. Jahrhundert stammen.
Grabplatten von Wilhelm und Elisabeth von
Krichingen
Einen weiteren bedeutenden
kunsthistorischen Fund gab es ebenfalls im Jahr 2003. Bei den
Renovierungsarbeiten wurden auch zwei alte Grabplatten
entdeckt, die Wilhelm und Elisabeth von Krichingen (gestorben 1610 bzw.
1612) darstellen. Wilhelm und Elisabeth von Krichingen waren Nachfolger
der Wertheimer Grafen, nachdem Graf Michael III. von Wertheim bereits
1556 ohne männliche Nachkommen verstorben war. Die beiden Grabplatten
sind inzwischen unter der bereits erwähnten Gedenktafel an den Bau der
Echter-Kirche von 1613 aufgestellt worden.
Erweiterung und Umbau im 18. Jahrhundert
In der ersten
Hälfte des 18. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff verlängert und mit
der barocken Schaufassade abgeschlossen. Es folgte eine Umgestaltung im
Innern des Gotteshauses. Ein Hochaltar und ein Altarbild zu Ehren des
Kirchenpatrons Laurentius wurden angefertigt. Letzteres stammt von Georg
Sebastian Urlaub aus Thüngersheim bei Würzburg.
St. Laurentius, Diakon des Papstes Sixtus II., starb
den Märtyrertod. Der Legende nach wurde er auf einem Rost gemartert, weil er sich weigerte, die ihm anvertrauten Schätze der Kirche
herauszugeben. Eine Statue des Heiligen Laurentius ziert die
Schaufassade des Gotteshauses zur Obertorstraße. Eine weitere findet
sich in der Kirche; in der Hand hält Laurentius als Erkennungszeichen
den Rost. Die das Altarbild einschließenden Statuen von Petrus und
Paulus hat Jakob van der Auvera geschaffen, dessen Sohn Johann Wolfgang der
bedeutendste Bildhauer der Würzburger Residenz gewesen ist.
Verbunden mit der starken Bevölkerungszunahme der
Marktgemeinde Marktheidenfeld am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die
Kirche schließlich 1897/98 um die beiden Seitenschiffe erweitert. Ende der 1960er Jahre wurde als zweite katholische Kirche die Pfarrkirche
St.Josef erbaut.
Renovierung 1982/83 und Umgestaltung des
Kirchenumgriffs 2002/03
In den Jahren 1982/83 wurde die
St.-Laurentius-Kirche renoviert. Die Treppenlage zwischen Chor
und Kirchenschiff wurde geändert und der neue Volksaltar, der Ambo und
die Priestersitze aus heimischem roten Sandstein gefertigt. Im Rahmen
der Altstadtsanierung wurde 2002/03 der Kirchenumgriff neu gestaltet.
Die Idee war, die Kirche als Baukörper erlebbar zu machen und sozusagen
die Kirche "in die Stadt zu stellen". Sämtliche Einbauten im Umgriff der
Kirche wurden im Zuge der Sanierungsmaßnahme beseitigt und die
Treppenanlagen umgebaut. Entstanden ist eine offen und einladend
wirkende Freifläche, die sich über drei Ebenen erstreckt und zum
Verweilen einlädt.
Laurenzi-Messe
Der Kirchenpatron St. Laurentius gab auch dem
größten Volksfest in Marktheidenfeld seinen Namen. Alljährlich um den
Feiertag Maria Himmelfahrt (15. August) herum feiert Marktheidenfeld
neun Tage lang mit Gästen aus Nah und Fern die Laurenzi-Messe.