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  • Bürgerbegegnung 2009

  • Debatte über die Zukunft der Begegnungen
    Neue Wege für Partnerschaften

  • Marktheidenfeld/Montfort sur Meu
    Kein Zweifel, viel bürgerschaftliches Engagement hat Marktheidenfelds Städtepartnerschaftsarbeit zur Blüte gebracht. Das findet Anerkennung in der Stadt, in den Partnerstädten, in Unterfranken, ja sogar auf europäischer Ebene. Eine Reihe von Auszeichnungen für das Stadtpartnerschaftskomitee und seinen Vorsitzenden Heribert Felbinger haben dies in jüngster Zeit gezeigt.
  • Der Blick auf die Zukunft ist jedoch nicht ungetrübt und bedarf der Analyse. Nach über 20 Jahren sind die Komitees und die Hauptakteure in Marktheidenfeld und Montfort sur Meu natürlich ein wenig in die Jahre gekommen. Es fällt sehr schwer jungen Nachwuchs zu finden, der aus dem Stand Verantwortung in diesem Ausmaß tragen will und kann. Da hat sich gesellschaftlich inzwischen etwas verändert und in der polnischen Partnerstadt Pobiedziska sind solche ehrenamtlichen Strukturen vorerst überhaupt noch nicht in Sicht.

    Am Rande der Fahrt zur Verleihung der Ehrenfahne des Europarats nach Montfort wurden viele Dinge offen angesprochen. Stadtrat Klaus Feder, Vorstandsmitglied des Partnerschaftskomitees, sprach einen augenfälligen Wandel an. Mag der Gedanke der Aussöhnung in Richtung Polen noch eine Rolle spielen, so ist dieser in Richtung des westlichen Nachbarn heute für junge Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden. Junge Leute sind heute mobiler, mit Fremdsprachen und Reisen vertraut. Um sich in der Welt umzusehen, brauchen sie den Schutz einer organisierten Bürgerreise in aller Regel nicht.
    Aus den Reihen des Komitees ist man sich dem Wohlwollen der neuen Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder und der Stadt Marktheidenfeld sicher. Dennoch vermisst man ein wenig, dass mehr Stadträte mitziehen und vielleicht auch einmal mit in die Partnerstädte zum Kennenlernen reisen würden.

    Eine feste Säule der Beziehungen ist der Schüleraustausch, der gut funktioniert. Aber welche Rolle spielen diese Begegnungen in einer immer leistungsorientierteren Schule der Zukunft, mit Lehrkräften, die oft nur wenig mit Marktheidenfeld verwurzelt sind. Wie führt man die Schüler und deren Familien über die punktuelle, einmalige Begegnung hinaus. Da zeigen sich Fragen, wie auch bei den langsam schwindenden Begegnungen von Vereinen. Langfristigkeit, die notwendig ist, um Begegnungen wirkungsvoll aus europäischen Mitteln unterstützen zu können, ist dabei immer schwerer zu erzielen.

    Kurzum, diese und andere Fragen werden offenbar auch in Montfort sur Meu aufgeworfen und deshalb hatte Bürgermeisterin Delphine David die Mitglieder der Städtepartnerschaftskomitees und die kommunalen Mandatsträger am vergangenen Samstag zu einer Gesprächsrunde ins Hôtel Communautaire eingeladen. Grundgedanke dabei war, ob künftig die Qualität des Austauschs unter Nutzung moderner Medien nicht die alleinige Quantität von Begegnungen ersetzen könnte.

    Stellvertretende Bürgermeisterin Murielle Valbert, zuständig für Kinder- und Jugendarbeit, stellte eine Projektidee vor. Mit Förderung der europäischen Union könnten jugendliche Arbeitslose aus den drei Partnerstädten mit Hilfe eines Volksbildungsvereins ein gemeinschaftliches Arbeitsprojekt im Umweltbereich durchführen.

    Dies sah der Vorsitzende des Marktheidenfelder Partnerschaftskomitees Heribert Felbinger zwar als wünschenswert aber dennoch als organisatorisch zu anspruchsvoll an. Er wünschte sich stattdessen eine Neuauflage des Projekts auf trinationaler Ebene, das im Sommer mit Kindern und Jugendlichen aus den Reihen des Bund Naturschutz und einer Gruppe um den Lehrer Leszek Pawlikoski aus Pobiedziska an den masurischen Seen gelaufen war. Unter dem Thema Wasser könnten solche Begegnungen grundsätzlich in allen Partnerstädten angeboten werden. Vielleicht gelinge es damit auch, Freundschaften aus dem Schüleraustausch auf freiwilliger Basis zu vertiefen. In Marktheidenfeld könne die städtische Jugendarbeit ein solches Projekt vielleicht zusätzlich begleiten, da man schon über Erfahrungen mit internationalen Workcamps verfüge.

    Ireneusz Antkowiak, Zweiter Bürgermeister aus Pobiedziska, lud für das kommende Jahr zu einem Kulturfestival in seine Stadt ein, dessen genaues Programm allerdings noch nicht feststeht. Die individuelle Begegnung von Kulturschaffenden aus den Partnerstädten könnte auch eine neue Dimension für die Partnerschaft bedeuten.
    Viel Resonanz fanden Denkanstöße, die Marktheidenfelds Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder einführte. Gemeinsam mit ihrer französischen Amtskollegin wünschte sie sich die forcierte Nutzung neuer Medien in der Partnerschaftsarbeit. Außerdem könne sie sich in gewissem Umfang einen Austausch mit städtischen Auszubildenden oder Angestellten vorstellen. Zu entdecken und entwickeln seien die drei Partnerstädte im Übrigen als attraktive und preisgünstige Urlaubsregionen für junge Familien.

    (Text und Foto: Martin Harth)
 
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