Montfort
sur Meu / Marktheidenfeld
20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhang zeigte am Samstag die
Verleihung der Ehrenfahne des Europarats an die Marktheidenfelder Partnerstadt
Montfort sur Meu, geradezu beispielhaft, wie sehr sich seitdem Ost und West
angenähert haben.
Karla, Lucie und Hugo, Mitglieder des Kinderparlaments in Montfort sur
Meu, informierten die Gäste im Ratssaal des Hôtel Communautaire zunächst über
die gemeinsamen Werte Europas und ließen die Europäische Gemeinschaft mit ihren
unterschiedlichen Völkern hochleben.
Montforts Bürgermeisterin, Delphine David, hob die Bedeutung der
europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik für die bretonische Metropolregion um
Rennes hervor. Sie bewertete den europäischen Gedanken auch als eine kulturelle
Idee, die von den Kommunen her zum Aufbau eines friedlichen Europas dienen
könne. Sie dankte dem Europarat in Straßburg für die hohe Auszeichnung mit der
Ehrenfahne und forderte von der europäischen Politik eine aktive Gestaltung des
Vertragswerks von Lissabon.
Bild: Auszeichnung mit der Ehrenfahne des Europarats
Schülerinnen und Schüler der beiden Lycées, die erst kürzlich beim
Marktheidenfelder Balthasar-Neumann-Gymnasium zu Gast waren, berichteten mit
einer Bilderpräsentation von ihren Eindrücken aus Unterfranken, Frankfurt und
Nürnberg oder ihren Erlebnissen bei Tanz und Rhönradturnen.
Der zweite Bürgermeister der gemeinsamen polnischen Partnerstadt
Pobiedziska, Ireneusz Antkowiak, sagte der Stadt Montfort Dank für die großzügige
materielle Hilfe, die seine Heimatstadt erfuhr, als Polen zur Zeit der Wende in
einer tiefen wirtschaftlichen Krise steckte. Er freute sich, bei der Verleihung
der Ehrenfahne mit den Freunden aus Marktheidenfeld dabei sein zu können und
versprach die trinationale Beziehung der Partnerstädte aktiv voranzutreiben.
Beiden Partnerstädten schenkte er große Bildplakate, die die bisherigen
Städtebeziehungen dokumentieren.
Marktheidenfelds Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder beglückwünschte
Montfort sur Meu zur großen Ehre, die Marktheidenfeld schon im Vorjahr durch
die Verleihung der Ehrenfahne erfahren hätte. Sie forderte dazu auf, die
Städtebeziehungen künftig mit neuen Formen leidenschaftlich und mit Herz weiterzuentwickeln.
Den Partnern schenkte sie eine von Hans Fürst gestaltete
Fotodokumentation des letztjährigen trinationalen Treffens in Marktheidenfeld. Für
Stadtbücherei in Montfort übergab sie ein großes Bücherpaket mit Titeln zur
deutschen Geschichte sowie zur unterfränkischen Kultur und Küche. Diese sollen
den Deutschunterricht unterstützen und zum Besuch in der Partnerstadt
Marktheidenfeld einladen.
Das liberal-demokratische, rumänische Parlamentsmitglied Iosif Veniamin
Blaga war als Angehöriger der parlamentarischen Versammlung des Europarats und
als Mitglied des Unterausschusses für den Europapreis aus seiner
transsilvanischen Heimat in die Bretagne gekommen, um der Stadt Montfort die
Ehrenfahne für ihre Bemühungen um die europäische Einigung zu überreichen.
Die mit 47 Mitgliedsstaaten größte europäische Institution vergibt den
Europapreis seit 1955 zur Förderung von Städtepartnerschaften. Nach dem Diplom
stellt die Ehrenfahne die zweite von vier Auszeichnungsstufen dar. Weniger als
1000 europäische Kommunen erhielten diese Auszeichnungsstufe seitdem. Würzburg
zählt zu den 14 deutschen Städten, die nach der dritten Stufe der
Europaplakette 1973 den eigentlichen Europapreis erwerben konnte.
Blaga hob die Bedeutung des Europarats beim Schutz von Minderheiten und
bei der Bekämpfung des Rassismus hervor. Neben der Debatte gesellschaftlicher
Problem lege das in Straßburg beheimatete Gremium Arbeitsprogramme für Felder
wie Kultur und Sport auf. Der 59-jährige rumänische Parlamentarier würdigte die
lebendige und enge Beziehung zwischen Montfort sur Meu und Marktheidenfeld seit
über 20 Jahren und erkannte in der trinationalen Fortentwicklung der engen
Freundschaft mit dem polnischen Pobiedziska eine Besonderheit und Chance. Zum
Schluss des Festakts gestalteten die drei Mitglieder des Montforter
Kinderparlaments eine europäische Verpflichtungserklärung, die von den drei
offiziellen Städtevertretern unterzeichnet und mit nach Hause genommen wurde.
(Text und Foto: Martin Harth)