Marktheidenfeld
Gut aus der Bretagne zurückgekehrt sind am frühen Sonntagabend die
Teilnehmer einer Bürgerreise des Städtepartnerschaftskomitees zur Feier des
20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit Montfort sur Meu.
Hinter Ihnen lag die gut 17-stündige Rückreise, die in Paris am 162
Meter hohen Mont Valérien, einer Festungsanlage aus dem 19. Jahrhundert,
unterbrochen wurde. Neben einem wunderbaren Ausblick auf die französische
Hauptstadt im frühen Licht eines sonnigen Morgens, luden dort die Gedenkstätte
für über 1000 während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg dort
hingerichteten Geiseln und Widerstandskämpfer, ein amerikanischer
Soldatenfriedhof sowie das "Mémorial de la France Combattante" (Mahnmal des
französischen Widerstands) zu Nachdenken ein.
Am Mont Valèrien hatte auch der katholische Priester Franz Stock (1904
-1948) gewirkt. Der Seelsorger für die Gefängnisse von Paris und die
Hinrichtungsstätte auf dem Mont Valérien, der aus Westfalen stammte, gilt als
einer der Pioniere der Deutsch-Französische Freundschaft.
Ein zweiter Halt wurde in der Champagne in kleinen Ort L Epine
eingelegt. In dem Dorf mit etwa 650 Einwohnern gibt es eine wunderbare gotische
Basilika, die mit ihren zwei Türmen zwischen 1405 und 1527 erbaut wurde und zum
UNESCO Weltkulturerbe "Jakobswege in Frankreich gehört". Am Sonntagmorgen lud
dort neben der Besichtigung der Architektur ein katholischer Gottesdient zum Besuch.
Bevor die Rückreise am Sonntag gegen 2 Uhr morgens begonnen hatte,
endete der Aufenthalt in der Partnerstadt Montfort sur Meu mit dem offiziellen
Abend der Stadt zum Partnerschaftsjubiläum. Im Laufe dieser mit großem Aufwand
und netten kulturellen Beiträgen gestalteten Veranstaltung (wir berichten
demnächst mehr) wurde bekannt, dass die Stadt Montfort die Europafahne für
besondere Verdienste um die Europäische Einigung aufgrund ihrer
Städtepartnerschaftarbeit wie Marktheidenfeld schon im vergangenen Jahr erhalten
wird.
Bürgermeisterin Delphine David verlieh am Ende des Abends auf
einstimmigem Beschluss des Stadtrats im Beisein ihres Amtsvorgängers Victor
Preauchat aufgrund ihrer großen und mehr als 20 Jahre andauernden Verdienste um
die Städtepartnerschaft die Ehrenbürgerwürde der Stadt Montfort sur Meu an
Marktheidenfelds Altbürgermeister Dr. Leonhard Scherg und an den Vorsitzenden
des Marktheidenfelder Städtepartnerschaftskomitees Heribert Felbinger.
Montforts Altbürgermeister Dr. Jacques Pilorge würdigte die "Citoyens d Honeur"
Dr. Scherg und Felbinger als ein unschlagbares Duo, das - jeder an seinem Platz
- kreativ die Weichen für der erfolgreiche Partnerschaft auf deutscher Seite
gestellt habe. Sie seien überzeugte Komplizen im Dienste der europäischen Einigung.
Felbinger dankte für die große Ehre, die er auch all denen widmete, die
das Marktheidenfelder Städtepartnerschaftskomitee unterstützt und getragen
hätten. Dr. Scherg forderte dazu auf, die Freundschaft fortzusetzen und sie vor
allem mit dem Herzen zu leben. Der Bürgermeister der gemeinsamen polnischen
Partnerstadt Pobiedziska Michal Podsada gratulierte im Namen seiner Stadt, die
zukünftig als weiterer Partner in einer trinationalen Partnerschaft in die
Städtepartnerschaft einbezogen werden soll.
Die fünfköpfige Delegation aus Polen hatte sich bei der Begegnung
ausgesprochen wohlgefühlt und war ab Marktheidenfeld zusammen mit der
Bürgerreise im Bus nach Montfort sur Meu gekommen. Am Montagmorgen startete man
dann in Marktheidenfeld mit dem Auto auf die weitere Heimreise nach Pobiedziska.
(Text: Martin Harth)